Nachruf Wolfgang Baum

Foto: Wolfgang Baum

Wolfgang Baum ist verstorben.

Er hat viel bewegt und viele in Bewegung gebracht – nachhaltig und verbindlich.

Bielefeld hat einen bedeutenden und engagierten Mitbürger verloren. Immer nah am Menschen, das war ihm wichtig, aber auch immer nah an der aktuellen politischen und sozialrechtlichen Entwicklung. Er hat unzählige Projekte angestoßen und Andere dazu gebracht, diese zum Wohle der Bielefelderinnen und Bielefelder durchzuführen.

Schon 1995 wurde Wolfgang Baum Vorsitzender des Behindertenbeirats und blieb es für 25 Jahre. Er hat in diesen Jahren unendlich viel zur Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Bielefeld beigetragen. Herr Baum war ein Motor für Barrierefreiheit in der Stadtentwicklung. Er hat beharrlich für Verstehen und für Verständigung geworben und die Teilhabeanliegen der Bürgerinnen und Bürger mit Beeinträchtigungen nachdrücklich vorgetragen. Herr Baum war ein Anwalt für Gruppen, die sich selbst nicht so gut artikulieren konnten. Dabei war ihm immer wichtig, dass nicht über Menschen mit Behinderungen, sondern mit ihnen gesprochen wurde. Er hat dieses Prinzip auch auf Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen übertragen.

Er war ein an interessierter Sozialdemokrat, in der Ev. Kirchengemeinde Quelle-Brok engagierter Christ, in der Selbsthilfebewegung verwurzelt, selbstbestimmter Rollifahrer und Aktivist.

Das Café 3B – sein Baby – ist eine Begegnungsstätte und eine qualifizierte Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen in Bielefeld, die bundesweit bekannt ist und Vorbildcharakter hat. Wolfgang Baum hat das Café 3B gemeinsam mit Anderen 1996 offiziell eröffnet. Über die Jahre hat er sorgfältig für die nachhaltige Sicherung und den Auf- und Ausbau gesorgt.  Fachlich orientiert am Peer-Counseling wird im Café 3b weiterhin erfolgreich Teilhabeberatung betrieben. Unermüdlich kümmerte er sich um das Sponsoring des Cafés und seiner unzähligen Projekte. Er überzeugte viele bekannte und unbekannte Bielefelder Persönlichkeiten, dass es gut ist, in Teilhabe zu investieren.

Seine Sache war, die Anliegen, die Rechte und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung um- und durchzusetzen.

Wolfgang Baum hat sich besonders in Bielefeld, aber auch darüber hinaus dafür eingesetzt, dass barrierefreie Teilhabe für alle Menschen am gesellschaftlichen Leben möglich ist. Dafür ist er u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Ehrenring der Stadt Bielefeld ausgezeichnet worden. Er hat einmal gesagt, dass die Auszeichnungen und Ehrungen, die er erhalten hat, für ihn nicht nur Lorbeeren sind, um sich darauf auszuruhen. Wolfgang Baum hat es als Ansporn gesehen, weiter zu machen im Einsatz für die gleichen Rechte und Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen.

Die Arbeit des Beirates für Behindertenfragen, die vielen Aktivitäten für die er den Boden bereitet hat, die kulturelle und politische Teilhabe von Menschen mit Behinderung, das Café 3b mit der EUTB und dem Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben sollten in seinem Sinne weitergeführt und weiterentwickelt werden.